Die Kunst des Zuhörens und die Erschließung verborgener Potenziale

Die Verwendung von Neugier und Schlüsselwörtern schafft das "gemeinsame Dritte", wenn Sie Ihrem Coachee helfen, verborgene Potenziale zu erschließen. Erfahren Sie mehr in diesem dritten Blog-Beitrag über systemisches Coaching im Kontext von Agile und Change Management.
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Willkommen zum dritten Blogbeitrag unserer fünfteiligen Serie über systemisches Coaching im Kontext von Agile und Change Management.

 In diesem und den beiden folgenden Blogbeiträgen werden wir die Techniken des Systemischen Coachings näher beleuchten.

Hier finden Sie die vollständige Liste der Blogbeiträge dieser Reihe, falls Sie direkt zu einem der Themen springen möchten:

Die Essenz des Zuhörens im Coaching

Im Bereich des Coachings, ob als Scrum Master oder Agile Coach, ist die Kunst des Zuhörens von unvergleichlicher Bedeutung. Unser primäres Ziel ist es, Einzelpersonen und Teams nicht nur zu unterrichten, sondern sie zu befähigen, die besten Versionen ihrer selbst zu sein. Hier wird die Weisheit professioneller Coaching-Methoden von unschätzbarem Wert sein - insbesondere Ihr Bewusstsein und Ihre Fähigkeiten des Zuhörens.

Drei Ebenen des Zuhörens

1. Stufe Eins - Egozentrisches Zuhören

Auf dieser Ebene dominiert die Unwissenheit. Der Schwerpunkt liegt darauf, das Gesagte mit der eigenen Welt in Verbindung zu bringen und von persönlichen Erfahrungen und Meinungen auszugehen. Im Volksmund nimmt die innere Stimme das Gespräch in Beschlag. Dies führt oft dazu, dass Lösungen aus der Sicht des Coaches angeboten werden, anstatt dem Coachee bei seiner Selbstfindung zu helfen.

2. Stufe zwei - Fremdzentriertes Zuhören

Das Erreichen dieser Stufe erfordert eine Verlagerung des Fokus auf den Coachee. Aktives Zuhören, Augenkontakt und das Verstehen von Perspektiven zwischen den Zeilen werden zur Priorität. Dies ist ein entscheidender Schritt in Richtung effektives Coaching.

3. Stufe drei - Emotional abgestimmtes Zuhören

Aufbauend auf Stufe zwei wird in Stufe drei eine emotionale Dimension hinzugefügt. Über das Verstehen von Worten und Perspektiven hinaus stimmt sich der Coach auf die Gefühle des Coachees ein - er erkennt Freude, Frustration oder Traurigkeit - und spiegelt diese Emotionen zurück.

Als Trainer sind gelegentliche Ausrutscher auf Stufe eins unvermeidlich. Der Schlüssel dazu ist Selbsterkenntnis. Das Erkennen von Auslösern und die Anwendung von Überlebenstechniken, um aus der Stufe Eins aufzusteigen, sorgen für eine effektivere Coaching-Dynamik.

Die Rolle der Schlüsselwörter

Eine wirkungsvolle Technik für ein effektives Coaching ist die Identifizierung und Verwendung von Schlüsselwörtern - Wörter, die für den Coachee eine tiefere Bedeutung haben. Diese Wörter erschließen das Verständnis und eröffnen neue Wege zur Erkundung. Notieren Sie sie während des Gesprächs und nutzen Sie sie, um verschiedene Fragen zu formulieren, die eine umfassende Perspektive bieten.

Mit Neugierde Annahmen vermeiden

Die Gefahren von Annahmen und die Bedeutung von Neugierde können gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Worte können je nach Kontext und individueller Perspektive unterschiedliche Bedeutungen haben. Mit einer neugierigen Haltung müssen Coaches von Annahmen absehen und stattdessen die vom Coachee beabsichtigte Bedeutung erkunden.

Aktives Zuhören und Schaffung eines gemeinsamen Dritten

Zu einem sinnvollen Gespräch gehört aktives Zuhören, wobei das Ziel ein gemeinsames Verständnis ist. Das Gespräch dreht sich nicht nur um die beiden Teilnehmer, sondern es geht darum, ein gemeinsames Drittes zu schaffen - eine Verschmelzung von Gedanken, Perspektiven und Verständnis.

Umgang mit Übertragung:

Die Übertragung - die unbewusste Projektion vergangener Erfahrungen auf den Coachee - muss anerkannt werden. Das Bewusstsein für potenzielle Voreingenommenheit ist für Coaches entscheidend, um eine faire und unvoreingenommene Coaching-Beziehung zu gewährleisten. Der Coachee könnte Sie unbewusst an eine andere Person erinnern, wobei die Gefahr besteht, dass Sie Erfahrungen aus der Vergangenheit auf den Coachee projizieren. Dabei kann es sich um Annahmen über versteckte Absichten, mangelnde Fähigkeiten oder etwas anderes handeln. Wenn Sie sich möglicher Übertragungen bewusst sind, können Sie als Coach Ihre Neutralität wahren.

Das Coaching-Toolkit: Zuhören, Fragen formulieren und Verstehen schaffen

Im komplizierten Tanz des Coachings bilden Zuhören und Hinterfragen den Kern. Die Fähigkeit, die Zuhörebenen anzupassen, Schlüsselwörter zu verwenden, Annahmen zu vermeiden und sich der Übertragung bewusst zu sein, bereichert das Coaching-Toolkit. Diese Werkzeuge verbessern nicht nur die Wirksamkeit von Coaching-Gesprächen, sondern fördern auch ein Umfeld des Vertrauens, der Selbstreflexion und der kontinuierlichen Verbesserung.

Wenn wir unsere Erkundung der systemischen Coaching-Tools fortsetzen, bleiben Sie dran für unsere nächster Beitrag in dem wir die Feinheiten der Coaching-Gesprächsstruktur entschlüsseln - ein grundlegender Pfeiler, um verborgene Potenziale zu erschließen.

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