Me-dership ist auch nicht Leadership - Eine kritische Betrachtung idealisierter Führung

Im Bereich der Führung vollzieht sich ein subtiler Wandel, der oft unbemerkt bleibt - das Aufkommen von "Me-dership". Bei diesem Phänomen wird die Sprache der Führung für persönliche Interessen vereinnahmt. Die "Ich-Führung" beinhaltet bescheidenes Prahlen und selbstsüchtige Ansprüche auf Bescheidenheit.
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Dies ist mein zweiter Blogbeitrag in einer Serie, die sich damit beschäftigt, was Führung ist und was nicht. Falls Sie den ersten Beitrag nicht gelesen haben: Management ist nicht Leadershipkönnen Sie ihn über den Link aufrufen. Der dritte und letzte Blogbeitrag: Entwickeln Sie Ihren einzigartigen Führungsstil ist ebenfalls verfügbar.

Was macht Führung aus?

Viele Jahre lang war meine Vorstellung von Führung unerschütterlich. Ich sah sie als Gegengewicht zum Management, als eine Kraft, die Veränderungen anstößt, statt Stabilität zu erzwingen, als ein Leuchtfeuer der Vision und Inspiration, statt als ein mechanischer Aufseher. Für mich war eine Führungspersönlichkeit jemand mit einer tiefgreifenden Mission, der in der Lage war, Menschen zu inspirieren, nach einem größeren Ziel zu streben, eine bescheidene Person, die das Gewicht der Macht und die damit verbundene Verantwortung verstand, und jemand, der seinen Einfluss in den Dienst des Teams stellte. Mein Mantra lautete: "Du bist eine Führungspersönlichkeit, wenn dir jemand folgen will". Ich strebte danach, dieses Ideal von Führung zu verkörpern.

Doch was macht Führung wirklich aus, und was zeichnet die ideale Führungskraft aus? Einige plädieren dafür, dass Führungskräfte zurücktreten und dem Team die Führung überlassen sollten, während andere dafür plädieren, dass Führungskräfte als Katalysatoren fungieren und sowohl den Einzelnen als auch das Unternehmen fördern. Es wird auch gefordert, dass Führungskräfte in das tägliche Leben ihrer Mitarbeiter eintauchen sollten. Bei der Beschreibung der Führungsrolle wurden zahlreiche bewundernswerte Absichten ins Auge gefasst.

Me-dership, die egoistische Version von Führung

Der Begriff "Führung" wird jedoch oft missbraucht, wodurch er seine Kraft verliert und eher zu einer "Ich-Führung" als zu einer echten Führung wird. In diesen Fällen verschiebt sich der Schwerpunkt von den Menschen, die geführt werden, auf die Führungskraft selbst. Bescheidenes Prahlen mit selbstlosen Taten kann mehr mit dem persönlichen Ego zu tun haben als mit einem echten Engagement für ein größeres Ziel. Ich erkenne zwar an, dass persönliche Ambitionen eine treibende Kraft für die Führung sind, bin aber der festen Überzeugung, dass die Führung mit einem Ziel verbunden sein muss, das über das eigene Ego und die eigene Selbstwahrnehmung hinausgeht.

In ihrem Buch, "Kritische Perspektiven der FührungMark Learmonth und Kevin Morrell nehmen in ihrem Buch die Sprache der Führung und ihre Auswirkungen auf die Dynamik am Arbeitsplatz wortgewandt auseinander. Sie beleuchten die Tatsache, dass an den meisten Arbeitsplätzen mehr Menschen ihre Chefs verachten als sie bewundern. Diese Kritik zwingt uns dazu, uns mit der Art und Weise auseinanderzusetzen, wie wir oft über Führung in allzu positiven Begriffen sprechen. Das Buch hebt ein faszinierendes Phänomen hervor: das Aufkommen von "Me-dership".

"Me-dership" spiegelt die selbstsüchtige Sprache wider, die Einzelpersonen in den sozialen Medien verwenden, um sich als Führungspersönlichkeit zu positionieren. Oft handelt es sich dabei um bescheidenes Prahlen - falsche oder inkohärente Behauptungen von Bescheidenheit. Dieser Kommunikationsstil ist aufschlussreich, weil er zeigt, dass viele Menschen zwar den besonderen Status einer Führungskraft anstreben, ihn aber gleichzeitig verleugnen.

Führung wird, wie Learmonth und Morrell argumentieren, oft idealisiert und romantisiert und führt zu einer Verunglimpfung der Mitläufer. Die Vorstellung, dass Führung etwas "Heiliges" oder von Natur aus Besonderes ist, kann ungewollt eine Hierarchie in Organisationen schaffen. Wenn wir Führungspersönlichkeiten feiern, machen wir ungewollt alle anderen zu Mitläufern, die in ihrer Arbeitsidentität von ihren Führungskräften abhängig sind.

Das Wort "Leader" hat eine Vielzahl kultureller Konnotationen und unterschiedlicher Bedeutungsnuancen. Im Gegensatz zum Begriff "Manager", der eher industriell und arbeitsbezogen klingt, kann "Leader" in einem breiteren Kontext verwendet werden. Die besondere Idealisierung von Führungskräften geht jedoch fast immer mit einer gewissen Verunglimpfung der Gefolgsleute einher.

Die Selfie-Posts in den sozialen Medien, die Führung in Aktion zeigen, verdeutlichen den Wunsch nach Führung als tragbares Gut. Die Selbstdarstellung als Führungspersönlichkeit enthält oft Elemente des "humble-bragging" - ein Versuch, Bescheidenheit zu wahren und gleichzeitig implizit die eigene Führungsrolle zu verkünden.

Wie geht es jetzt weiter?

Im Lichte dieser kritischen Perspektiven wird deutlich, dass es sich bei Führung nicht um ein einheitliches Konzept handelt. Es handelt sich um eine facettenreiche Rolle, die großen Einfluss auf Einzelpersonen und Organisationen hat. Der Begriff der Führung muss kritisch hinterfragt werden, und unsere idealisierten Vorstellungen von Führungskräften müssen überdacht werden. Untersuchen Sie mit mir in meinem nächsten Blogbeitrag diese nuancierte Perspektive auf Führung.

In meinem nächsten und letzten Beitrag in dieser Serie: Entwickeln Sie Ihren einzigartigen FührungsstilIn diesem Kapitel gehe ich näher auf die Idee ein, dass man, um eine Führungskraft zu werden, Herr im eigenen Haus werden muss. Es geht darum, Ihren Führungsstil zu entdecken und mit Ihren persönlichen Werten in Einklang zu bringen, Ihre einzigartige Persönlichkeit anzunehmen und Ihren authentischen Weg zur Führung zu finden. Bleiben Sie dran, um Einblicke zu erhalten, die gängige Missverständnisse über Führung in Frage stellen und eine neue Sichtweise darauf bieten, wie Sie eine effektive Führungskraft werden und sich selbst treu bleiben können.

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Steve Gale auf unsplash.com

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